364,- Euro? Von wegen!
Die Wahrheit über Hartz IV
Von 364,- Euro (die sog. Grundsicherung) kann man in Deutschland sehr gut leben, erst recht wenn Vater Staat die Miete zahlt.
Die Realität sieht aber so aus, dass von diesen 364,- Euro nicht nur Dinge wie Strom, Telefon und Versicherungen, sondern in vielen Fällen auch ein Teil der Miete und Nebenkosten bezahlt werden müssen, weil der Staat nur den Regelsatz bezahlt – also das, was ortsüblich als „angemessen“ erachtet wird, i.d.R. aber nicht der tatsächlichen Situation auf dem Wohnungsmarkt entspricht.
Sicher herrscht in Deutschland keine Wohnungsnot, so dass man durchaus eine kleinere Wohnung finden kann, damit die Kosten zu 100% vom Staat übernommen werden und man die vollen 364,- Euro für sich hat – abzgl. Strom, Telefon etc.
Aber selbst wenn man eine „angemessene“ Wohnung gefunden hat, werden nur in den seltensten Fällen die tatsächlichen Heizkosten übernommen. Es heißt also weiterhin: frieren oder draufzahlen – aus eigener Tasche, von 364,- Euro.
Davon abgesehen bedeutet ein Umzug vor allem in Großstädten auch oft eine soziale Verschlechterung. Selbst wenn man nicht im Ghetto landet, wird man zwangsweise aus seinem gewohnten Umfeld herausgerissen, was für den Einzelnen u.U. schwere psychische Folgen haben kann. Dabei leben die meisten Arbeitslosen, die man auf diese Weise finanziell zum Umziehen nötigt, nicht in Großraum-Lofts oder Villen, sondern in ganz normalen Wohnungen in ganz normalen Wohnvierteln.
Aber da sollen sie eben raus. Dorthin, wo sie unter sich sind, nicht stören, und – wenn es nach „Vater Staat“ und einem großen Teil der restlichen Bevölkerung geht – in ihrem Elend verrecken können. In die „sozialen Brennpunkte“ der Ghettos und Wohnblocks. Ins Abseits.
Und weil viele Menschen lieber schlechter essen als schlechter wohnen, dreht sich die Abwärtsspirale für die Opfer immer weiter. Von den langfristigen Kosten für das Gesundheitssystem (Mangelernährung, Depressionen etc.) ganz zu schweigen. Zum Teil werden sogar Lebensgemeinschaften ganz bewusst auseinander gerissen, weil man allein oft mehr Geld bekommt als in einer „Bedarfsgemeinschaft“. Dabei spielt es keine Rolle, ob man verheiratet ist oder als „eheähnlich“ zusammenlebt.
Wer mit seinem Partner zusammenleben möchte, ist dadurch automatisch finanziell schlechter gestellt.
Das spielt vor allem dann eine Rolle, wenn man Schulden hat oder teure Medikamente benötigt. Oder Zahnersatz. Oder wenn der Wagen streikt, sofern man überhaupt ein Auto finanzieren kann. (Kein Auto = weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt!) Dann bleiben von den 364,- Euro real oft weniger als 100,- Euro übrig, so dass man in letzter Konsequenz tatsächlich nur noch die Wahl zwischen Kriminalität, Verhungern oder Umzug (= Trennung) hat.
Aber auch von 100,- Euro kann man in Deutschland noch überleben – oder besser gesagt: nicht verhungern. Würdig an dieser Gesellschaft teilhaben kann man dann aber definitiv nicht mehr. Man könnte es vielleicht, wenn man die vollen 364,- Euro zur tatsächlichen freien Verfügung hätte. Aber das ist bei fast keinem der Fall. Übrigens auch bei vielen nicht, die noch Arbeit haben.
So bleibt die gesellschaftliche Teilhabe für einen großen Teil der Bevölkerung völlig auf der Strecke, alles Kulturelle und Geistige verkümmert. Wovon wollen Sie ein Buch, eine CD, einen Kino- oder Konzertbesuch bezahlen? Wovon die Mitgliedschaft in einem Verein? Wovon eine Reise oder wenigstens mal einen Ausflug? Das ist alles kein Luxus, das ist KULTUR. Und sie verkommt, weil sie für viele Menschen einfach nicht mehr bezahlbar ist.
Es wird immer wieder behauptet, dass die Menschen besser gestellt wären, als vorher mit der Sozialhilfe. Das ist eine Lüge. Ein konkretes Beispiel: Wenn die Waschmaschine kaputt ist, muss man die Reparatur von den 364,- Euro bezahlen. Das „Amt“ übernimmt keinen Cent. Es gibt auch keine Möbel oder Fernsehgeräte mehr „vom Amt“. Das muss ja auch nicht sein, aber wer da noch von „besser gestellt“ spricht, verkennt einfach die Realität.
Es wird sogar behauptet, dass man aus der Grundsicherung von 364,- Euro etwas für Sonderausgaben wie die Reparatur einer kaputten Waschmaschine ansparen könne. Angesichts o.g. Zustände und steigender Kosten allerorts sind solche Aussagen jedoch der blanke Hohn. Hartz IV steigt so wenig wie die Löhne steigen. Es wird alles nur teurer, und man hat immer weniger Geld in der Tasche.
Das gilt für den Arbeiter so wie für den Arbeitslosen.
Aber der Arbeitslose bekommt eben keinen Dispo, um mal schnell einen Engpass zu überbrücken. Er muss umziehen oder sein letztes Hab und Gut verkaufen, um Dinge des ganz normalen alltäglichen Bedarfs (z.B. Telefon, Strom etc.) zu finanzieren. Das klingt alles ein bisschen dramatisch?
Das ist dramatisch, und es ist für viele Menschen die tägliche Realität! Und das Schlimmste ist, dass es auch immer mehr für jene zur Realität wird, die NICHT von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sondern jeden Tag acht oder mehr Stunden arbeiten gehen! Aber die Betroffenen reden nicht darüber weil sie,
a) keine Lobby bzw. kein öffentliches Forum haben,
b) sich schämen,
c) viel zu sehr mit dem nackten Überleben beschäftigt sind!!!
Wenn Sie Hartz IV bekommen, und von einem Sozialschnüffler bei einer der oft zitierten Tafeln (= Essensausgabe für Arme) erwischt werden, kann es passieren, dass das Geld gekürzt wird. Denn das günstige (nicht kostenlose, wie oft angenommen!) Tafelessen wird als Einkommen angerechnet. Genauso verhält es sich, wenn man z.B. beim Sammeln von Pfandflaschen oder als Verkäufer auf dem Flohmarkt bzw. bei eBay erwischt wird.
Gehen Sie doch mal zu den Tafeln. Gehen Sie da mal selbst hin! Die Hälfte der Sachen ist abgelaufen oder kurz davor, und der Rest besteht aus Dingen die nicht satt oder sogar krank machen. Man kann auch abgelaufene Lebensmittel noch essen, aber darum geht es nicht. Es geht dabei vielmehr um die PSYCHE und um die WÜRDE der Menschen, die sowas essen MÜSSEN. Aber es wird eben nur gespendet, was sich nicht mehr zu Geld machen lässt. Weil es keiner mehr will oder braucht. Niemand.
Auch kein Arbeitsloser!
Denken Sie mal darüber nach, bevor Sie das nächste Mal auf „die Tafel“ verweisen. Die Medien würden das Thema aber selbst dann nicht aufgreifen, wenn sämtliche Arbeitslose in den Hungerstreik treten würden, um darauf aufmerksam zu machen, dass viele von ihnen zum Ende des Monats schlicht und ergreifend nichts mehr zu essen haben. Dann sollen sie das Geld eben nicht für Bier und Kippen rauswerfen? Welches Geld?
Von den 364,- Euro müssen bezahlt werden: Mietdifferenz, Heizkostendifferenz, Strom, Telefon, Versicherungen, ggf. KFZ-Steuer, eine halbe Spritfüllung oder öffentl. Verkehrsmittel, Praxisgebühr, Medikamentenzuzahlung und Körperpflege. Bleiben unterm Strich oft nicht mehr als 100,- Euro, egal wie sparsam man lebt. Zieht man nochmal die nicht monatlich anfallenden Kosten für Kleidung oder Reparaturen ab, so bleiben im Schnitt vielleicht noch 75,- Euro für Lebensmittel.
Allerdings nur, wenn Sie nicht verheiratet sind oder „eheähnlich“ zusammenleben. In dem Fall müssten Sie bereits jetzt zur Tafel, denn Sie haben dann (bei einer Grundsicherung von in dem Fall nur 328,- Euro) gar nichts mehr übrig, aber immer noch keine Lebensmittel gekauft! Wenn Sie außerdem noch Schulden haben, dürfen sie wählen zwischen Privatinsolvenz, Pfandleiher, Gerichtsvollzieher oder dem Strick.
Bitte halten Sie sich das vor Augen, wenn Sie das nächste Mal von „Bier und Kippen“ sprechen. Davon abgesehen sind Alkoholismus und Nikotinsucht (wenn es denn zutrifft) keine frei getroffenen Entscheidungen, sondern Krankheiten. Und diese Tatsache gilt auch für Arbeitslose.
Es gibt überall schwarze Schafe, aber die meisten Leute WOLLEN arbeiten, und sei es nur aus reinem Selbsterhaltungstrieb. Wer 2011 in Deutschland noch mit dem Finger auf Arbeitslose zeigt, nach dem Motto „Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit“, der sollte sich endlich mal mit der Realität beschäftigen.
Achten Sie mal darauf, wie in den Medien fast täglich gegen die vermeintlichen „Sozialschmarotzer“ Hetze betrieben wird. Da ist dann von „Mallorca-Matze“ die Rede, der sich auf Staatskosten einen lauen Lenz macht und doppelt abkassiert. Das ist zwar nicht die Regel, und Sie wissen das auch. Aber man bekommt trotzdem eine Wut im Bauch.
Und genau das soll man auch. Damit man nicht auf die Idee kommt, sich mit den restlichen 99,9% der Arbeitslosen zu solidarisieren, die nicht betrügen und von einem Tapetenwechsel nur träumen können. Das hat Methode, damit wir schön weiter den Kopf in den Sand stecken und aus Neid oder Angst mit dem Finger auf unsere Nachbarn zeigen, anstatt endlich gemeinsam was gegen diese unhaltbaren Zustände zu unternehmen.
Gehen Sie doch mal zum Arbeitsamt. Eine seriöse, versicherungspflichtige und ganz normal bezahlte Vollzeitstelle ist die absolute Ausnahme. Fast 70% der Angebote bestehen aus 400,- Euro Jobs, die bis auf einen Betrag von 60,- Euro voll auf die 364,- Euro angerechnet werden und somit keinen wirklichen zusätzlichen Verdienst im Sinne von „mehr in der Tasche“ darstellen, weil diese 60,- Euro dann für den Weg zur Arbeit oder die Betreuung von Kindern oder Kranken aufgebracht werden müssen – und nicht einmal dafür reichen. Nimmt man so einen Job an, hat man also real WENIGER statt mehr in der Tasche. Der blanke Hohn.
Der Rest der Angebote besteht aus Sklavenarbeit zu Hungerlöhnen, weil sich immer mehr Zeitarbeitsfirmen das Geld in die Tasche stecken, was eigentlich dem Arbeiter zusteht. Bei den 1-Euro Jobs bekommt der Arbeitgeber pro 1-Euro Jobber 425,- Euro pro Monat und den Jobber gratis dazu. Dadurch spart der Arbeitgeber aber nicht nur Sozialabgaben, sondern oft auch Vollzeitstellen ein – was letztlich nur zu weniger Steuereinnahmen und noch mehr Arbeitslosen führt.
Der blanke Hohn, staatlich gefördert!
Der Jobber hingegen darf aber nur maximal 120,- Euro pro Monat dazuverdienen, von denen ebenfalls wieder der durch die Arbeitsaufnahme entstandene Mehraufwand (Wegekosten etc.) aus eigener Tasche bezahlt werden muss. Seine reale Kaufkraft steigt also nur so geringfügig, dass von einer tatsächlichen Verbesserung überhaupt keine Rede sein kann. Davon abgesehen sind die meisten 1-Euro Jobs zeitlich befristet – allerdings nur für den Arbeitnehmer, nicht für den Betrieb. Der kann soviel und so lange 1-Euro Jobber ausbeuten wie er möchte.
Für den einzelnen Arbeiter ist aber spätestens nach drei Monaten Schluss, ob man will oder nicht. Übernahme in Vollzeit? Nicht solange der nächste 1-Euro Jobber schon bereit steht. Ein großer Teil der Arbeitslosen versauert zudem im Praktikum oder nutzlosen Zwangsmaßnahmen, was dann offiziell als „Förderung“ hingestellt wird, real aber nichts anderes bezweckt, als einen leichten Rückgang der Arbeitslosenzahlen (nicht der Arbeitslosen!) und somit eine Aufbesserung der Statistik zu forcieren. Aber ARBEIT haben diese Leute trotzdem nicht! DAS ist die Realität.
In den Medien wird vom „Aufschwung“ gefaselt, und noch in der selben Nachrichtensendung wird berichtet, dass wieder ein Großkonzern eine Massenentlassung vornimmt – während die Manager mit Millionenabfindungen das Weite suchen. Als nächstes kommen dann staatlich subventionierte Zwangsarbeit und Mindestlöhne, so hat man weiterhin alle im Griff, die evtl. mal die Schnauze voll haben und aufbegehren könnten, gegen diese gierigen, verlogenen, gleichgültigen und menschenverachtenden Dreckschweine, die für diese Zustände verantwortlich sind. Und niemand unternimmt was dagegen!
Die arbeitenden Menschen sind gnadenlos überlastet, müssen unbezahlte Überstunden kloppen noch und nöcher, während ein Millionenheer von Arbeitslosen draußen steht und diffamiert wird. Genau deshalb haben viele Menschen, die den ganzen Tag schuften, oft selbst auch nicht viel mehr als 364,- Euro übrig. Manche haben sogar weniger, obwohl sie arbeiten. Gibt Ihnen das nicht zu denken?
Wenn man nur noch arbeiten geht, damit man arbeiten geht und nicht mit dem Finger auf einen gezeigt wird, dann stimmt etwas nicht in diesem Land. In diesem Land stimmt so einiges nicht. Und es wird langsam Zeit, dass die Leute den Mund aufmachen und sich wehren. Was werden Sie unternehmen? Gar nichts. Weil Sie genau so abhängig, verängstigt und feige sind wie alle anderen auch. Und solange es Sie nicht direkt betrifft, brauchen Sie sich ja auch nicht damit befassen, richtig?
Falsch! Denn Sie könnten bald vor mir in der Schlange auf dem Arbeitsamt stehen. Und wer liest dann Ihren Hilferuf?
Jeder Arbeitslose wird Ihnen bestätigen, dass die Zustände genau so und teilweise sogar noch viel schlimmer sind, als es hier von mir beschrieben wurde. Jeder Arbeitslose! Das sind knapp fünf Millionen Zeugen, die Ihnen jederzeit den Wahrheitsgehalt der hier getroffenen Aussagen bestätigen werden.
Ich will gar nicht mehr Geld. Ich will auch keinen hoch bezahlten Traumjob. Ich will einfach nur eine ehrliche Arbeit, um genug zu verdienen, damit ich aus EIGENER KRAFT meinen Lebensunterhalt bestreiten kann und IHNEN nicht mehr auf der Tasche liegen muss. Wenn Sie also schon nicht für mich auf die Straße gehen, dann tun Sie es wenigstens für sich selbst. Es muss endlich mal was passieren.
In der Bibel steht geschrieben: „Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.“ Warum werfen wir nicht?
Ein Arbeitsloser Deutschland, im Jahre 2011
WIR MISCHEN UNS EIN! MISCHEN SIE SICH MIT EIN!!!
Quelle: News Aktuell